Mit Lehrplan und Sprühflasche

Weinheimer Nachrichten vom 10. September 2020

Am kommenden Montag ist Schulstart, Hygiene spielt dabei eine wesentliche Rolle. Wie dies umgesetzt wird, erklären die jeweiligen Träger der Weinheimer Schulen.

Weinheim. Am nächsten Montag ist Schulbeginn. Bereits im Vorfeld wurde viel über die Digitalisierung an Schulen gesprochen, die Folgen des Home-Schoolings und daraus resultierende Defizite bei manchen Schülern. Und es ging um die Frage, wie gut die Schulen gerüstet sind, sollten die Infektionszahlen wieder ansteigen.

Eine wesentliche Rolle beim Schulstart spielt das Hygienekonzept, alle Schulen müssen dabei einem relativ strengen Protokoll der Landesregierung folgen. Hinterfragt hat dies die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Zuge einer groß angelegten Umfrage unter Schulleitungen aller Schularten im Südwesten. Die Auswertung gibt zu denken; die GEW geht davon aus, dass an den meisten Schulen die Hygienestandards nicht eingehalten werden können (siehe Infos am Ende des Beitrags)).

Bei der Stadt Weinheim als Schulträger gibt man sich dagegen optimistisch. Hier gelten natürlich die Hygienehinweise des Landes, die gemeinsam von Kultus- und Gesundheitsministerium entwickelt wurden. Die Schulen passen diese auf die örtlichen Gegebenheiten an, wie die zuständigen Fachämter Immobilien und Bildung auf Anfrage mitteilen. Bereits vor den Sommerferien hätten die Schulen zudem Hygienepläne erstellt, diese seien vom Amt für Bildung und Sport begutachtet und teilweise ergänzt worden.

Stadt fühlt sich gut gerüstet

Im Alltagsbetrieb kümmern sich um die Reinigung und Desinfektion relevanter Handkontaktflächen in den Zimmern und dem jeweiligen Gebäude allgemein die Reinigungskräfte der jeweiligen Gebäudereinigungsfirmen beziehungsweise städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu diesen Kontaktflächen zählen unter anderem Türklinken, Fenstergriffe, Griffe von Schubladen, Handläufe, Lichtschalter oder auch Tische. In den Auflagen ist dies alles klar definiert, nicht dazu gehören beispielsweise Computermäuse, Tastaturen und Telefone.

Der Hygieneaspekt steht im beginnenden Schuljahr 2020/2021 erneut und ganz besonders im Vordergrund. Gemäß den aktuellen Hygienehinweisen des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport für die Schulen in Baden-Württemberg, werden diese Arbeiten täglich nach Unterrichtsende „mit einem tensidhaltigen Reinigungsmittel gründlich erledigt“, heißt es dazu aus den Ämtern. Entsprechend wird ab dem kommenden Montag – zunächst auf unbestimmte Zeit – das Personal aufgestockt: Bei den bestehenden Aufträgen zur Unterhaltsreinigung in den Schulen wurde der Turnus für die Reinigung der Oberflächen und Handkontaktflächen von zweieinhalb Mal pro Woche nun auf fünf Mal wöchentlich erhöht. Die Reinigung findet jeweils nach Schulschluss statt. Abhängig von der Größe der Schule liegt der tägliche Mehraufwand zwischen einer und fünfeinhalb Stunden.

Lüften spielt wesentliche Rolle

Während des laufenden Schulbetriebs, zum Beispiel entlang der Treppenaufgänge, an den Türen oder auch in den Toiletten, findet keine Desinfektion statt. „Das wäre nur schwer zu bewerkstelligen und in den Klassenzimmern kann während des Unterrichts sowieso nicht gereinigt werden“, stellt dazu der städtische Pressesprecher Roland Kern auf Nachfrage fest. Die Stadt vertraut dabei auf die Schulen vor Ort, im Zweifel selbst tätig zu werden.

In Sachen Hygiene spielt mit Blick auf Aerosole auch das Thema Lüften eine große Rolle: In Weinheim sei dies in allen Klassenräumen möglich, teilen dazu die Fachämter mit. Um dies zu ermöglichen, wurden auch vorhandene Sperren, die dafür sorgten, dass Fenster beispielsweise nur gekippt werden können, entfernt. Zwar gebe es vereinzelt auch innen liegende Fachräume, in denen es keinerlei Fenster nach außen gibt; diese verfügten jedoch über eine mechanische Frischluftzufuhr.

Das Lüften soll mindestens alle 45 Minuten erfolgen und die Verwaltung geht davon aus, dass alle Lehrkräfte der Anweisung des Kultusministeriums folgen. Sie fügt aber auch hinzu: „Als Schulträger kann die Stadt Weinheim hierauf allerdings nur bedingt Einfluss nehmen.“

Nun war es kürzlich der Philologenverband, der den zusätzlichen Einsatz von Geräten zur Raumluftreinigung anregte, was die Stadt Weinheim jedoch ablehnt und damit auch der Meinung des Kultusministeriums folgt. Denn finanziell wäre das für die Stadt Weinheim bei Kosten von mehr als 4000 Euro pro Gerät definitiv nicht darstellbar.

Bleibt noch das Thema Maskenpflicht: Im Bus, auf dem Schulhof und in Teilen auch in den Gängen müssen Masken getragen werden, in den Unterrichtsräumen dagegen nicht. Sehr zum Ärger der Gewerkschaft, sie vermisst eine einheitliche Linie.

Die Stadt hat auch dieses Thema auf dem Schirm und eine klare Meinung dazu: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns angesichts der vielen unterschiedlichen Vorgaben in den Verordnungen für die jeweiligen Bereiche aktuell weniger Gedanken zur Sinnhaftigkeit von Vorschriften machen können, für die wir gar nicht zuständig sind. Der Fokus der Verwaltung und der Schulen liegt darauf, die Vorgaben in der Praxis bestmöglich umzusetzen.“

Kreis lehnt Umluftgeräte ab

Ein weiterer Schulträger in Weinheim ist der Rhein-Neckar-Kreis, er ist für das berufliche Schulzentrum zuständig. Hier vertraut man auf die selbst aufgestellten Hygienekonzepte der jeweiligen Schulleitungen, die bei der Umsetzung der Maßnahmen vom Kreis entsprechend unterstützt werden. Zusätzlich tauschen sich nach Angaben des Kreises die Verantwortlichen am Zentrum Beruflicher Schulen Weinheim regelmäßig aus, entsprechend auch in Sachen Hygieneangelegenheiten.

Im Alltagsbetrieb werden die relevanten Flächen regelmäßig gereinigt und desinfiziert. Zudem wurden die Schulen mit Oberflächenreiniger ausgestattet, um bei Bedarf ergänzend reagieren zu können. Das Reinigungspersonal selbst wurde nicht aufgestockt, jedoch hat man die Reinigungszeiten und die Prioritäten dem Bedarf angepasst.

Was das regelmäßige Lüften der Räume betrifft, so ist im Hygienekonzept der Kreis-Schulen der 45-Minuten-Takt zum Lüften der Klassenräume als verbindliche Regelung festgelegt. Dabei sei laut den aktuellsten Empfehlungen das Stoßlüften die wirkungsvollste Alternative. Mit Umluftgeräten für die Raumluftreinigung sei dagegen nach derzeitigem Kenntnisstand kein besseres Ergebnis zu erreichen.

In Sachen Maskentragen haben die Schulen in der Trägerschaft des Rhein-Neckar-Kreises im Rahmen ihres Hausrechts schon im vergangenen Schuljahr eine Maskenpflicht außerhalb der Klassenräume eingeführt. Ansonsten halten sich die Schulen und der Rhein-Neckar-Kreis als Schulträger an die Regelungen des Landes Baden-Württemberg. Das heißt aktuell: Auch in den Schulen des Kreises gibt es vorerst keine Maskenpflicht im Unterricht.

Die Kritik der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht laut einer aktuellen Umfrage davon aus, dass viele der 4500 Schulen im Land die vorgeschriebenen Hygienestandards nicht einhalten können.

80 Prozent der Befragten haben demnach angegeben, dass ihnen noch kein zusätzliches Reinigungspersonal zur Verfügung gestellt worden sei.

Die Landesverordnung sieht vor, dass Handkontaktflächen wie Türklinken, Treppengeländer oder auch Tische einmal pro Tag gereinigt werden sollen.

Außerdem kritisiert die GEW die empfohlene Handhabung von Masken. Im Schulbus, auf dem Pausenhof oder zum Teil auch in den Gängen der Schulgebäude ja, im Klassenzimmer nein – das ergibt für die Gewerkschaft keine Logik.

Auch die Lüftungsvorgaben – mindestens im 45-Minuten-Takt – seien nur schwer umzusetzen.

Im Zuge dessen wurde auch der Einsatz von Luftreinigungsgeräten angeregt, was Kommunen und Land aber aufgrund der hohen Kosten ablehnen.

In Weinheim fühlen sich die jeweiligen Schulträger gut gerüstet.

An den Schulen in der Trägerschaft der Stadt wurde das Reinigungspersonal aufgestockt, das auch öfter zum Einsatz kommt.

Der Rhein-Neckar-Kreis dagegen hat keinen höheren Personaleinsatz, dafür aber die Zeiten und Prioritäten geändert.

Von Sandro Furlan

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